20 – Politik

Lale Akgün , Aufstand der Kopftuchmädchen 

 

(München, Piper, 2011, 279 S.)

 

Steht wirklich im Koran, dass Frauen Kopftücher tragen sollen? Verbietet der Koran, dass ein Mann einer Frau die Hand schüttelt? Oder ist hier eine „moralische“ Tradition entstanden, die heute keinen Sinn mehr hat?

Wie kann man die Ethik, die hinter dem Koran steht, und die damals in zeitgemäßer Ausprägung gelebt wurde, heute angemessen leben? Wir nehmen die Bibel heute auch nicht mehr wörtlich, sondern fragen nach dem Geist, der dahintersteht. Wie im Christentum besteht auch im Islam die Mehrheit aus mehr oder minder interessierten Gläubigen, die einige Rituale aus Tradition fortführen, im Übrigen aber so leben wollen, wie es ihnen passt. Die Islamisten als Hauptvertreter der Islam zu sehen und auf ihre Forderungen Rücksicht zu nehmen, wäre, als würden wir evangelikale Kreationisten als Repräsentanten des Christentums betrachten.

Freundlicher Umgang miteinander, soziale Gerechtigkeit, Mäßigung und eine persönliche Gottesbeziehung sind im Islam wie im Christentum zentral. Unterschiedliche Traditionen sind Beiwerk. Auf dieser Basis lässt sich gut zusammenleben. Wir dürfen nur den Fundamentalisten jeder Richtung keinen Raum geben. Dieses Buch kann die Sicht darauf klären.

 

Lale Akgün, Tante Semra im Leberkäseland 

 

(Frankfurt, Fischer TB, 2011)

 

Lale Akgün, SPD-Politikerin und 1953 in Istanbul geboren, wundert sich, als sie mit 9 Jahren nach Deutschland kommt, über vieles, z.B. über die getrennten Schulhöfe für Mädchen und Jungen in Bayern. In der Türkei war sie an gemeinsames Spielen in den Pausen gewöhnt. Nicht nur die Deutschen sind komisch, auch manche anderen Türken, die sie treffen, haben merkwürdige Gewohnheiten. Manche essen Schweinefleisch, andere nicht. Manche ziehen ihre Schuhe an der Wohnungstür aus, andere nicht. Mit welcher Begründung Lales Tante als gläubige Muslimin Wein trinkt und welche Unterschiede es bei Liebesgeschichten und Hochzeitsgebräuchen gibt, beschreibt Lale Akgün direkt und witzig, so dass es schwer ist, das Buch vor dem Ende aus der Hand zu legen. Nebenbei gibt es die einfache Erkenntnis, dass „ die Türken“ genauso wenig alle gleich sind wie „ die Deutschen“. Ich werde es bestimmt nochmal lesen.